In Egalia, einem Land der völligen Gleichberechtigung, in dem nur zufällig Frauen die beruflichen wie sexuellen Machtpositionen innehaben und wo Haushalt und Kinderbetreuung naturgemäß den Männern überlassen werden, stößt der Berufswunsch des Jungen Petronius auf Hohn und Spott vonseiten seiner Mutter und Schwester: „Eine männliche Seefrau! Der blödeste Ausdruck seit Wibschengedenken. Ich lach’ mich tot.“ Auch sonst hat der Vierzehnjährige mit allerhand Schwierigkeiten zu kämpfen – ist er doch nahezu wehrlos den alltäglichen Übergriffen lüsterner Frauen ausgesetzt und muss sich seit Eintritt der Pubertät einen ebenso unbequemen wie entwürdigenden Penishalter umbinden, der ihn für die Frauenwelt attraktiver macht. Da liegt es nahe, dass Petronius aufhört, von einem abenteuerlichen Leben als männliche Seefrau zu träumen, und sich stattdessen in die starken Arme einer guten Fischerin sehnt, die ihm das Vaterschaftspatronat für ihre Kinder überträgt und ihn vor der Schmach rettet, als alleinstehendes Herrlein zu enden …
Die Töchter Egalias (1977) bildet den satirischen Versuch der norwegischen Autorin Gerd Brantenberg, einen Roman in einer Frauensprache zu schreiben, in der das Weibliche die Norm und das Männliche das davon abgeleitete Andere ist. Diese Umkehrung offenbart, dass unsere scheinbar so neutrale Sprache bis in ihre grammatischen Strukturen hinein patriarchal ist. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Sprache gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegelt und reproduziert, wollen wir die allgegenwärtige frauendiskrimierende Wirkung von patriarchaler Sprache im demokratischen Normalzustand herausstellen – eine Kritik, die mit der Sprachanalyse der queerfeministischen Bewegung neu aufgeflammt ist. Doch inwieweit kann ein gendersensibler Sprachgebrauch Diskriminierungen tatsächlich auflösen?
Die Veranstaltung soll hervorheben und diskutieren, wie schwierig es um die sprachliche Repräsentation von Frauen nach wie vor bestellt ist – und wie analog in Die Töchter Egalias Petronius’ Versuche, eine annehmbare männliche Identität zu erlangen, seine Mitwibschen manchmal fast die Befrauschung verlieren lassen.

Sabrina Zachanassian und Korinna Linkerhand