Seit Beginn der 1990er Jahre existiert sowohl in der Geschlechtertheorie wie in unterschiedlichsten subkulturellen Lebenszusammenhängen die Vorstellung, dass der Veruneindeutigung der Geschlechtergrenzen resp. der Pluralisierung geschlechtlicher Identitäten ein subversives Potential innewohne. Heutige Ideologien verlangen von uns aber kaum mehr ein eindeutiges Geschlechtsverhalten. Sie operieren vielmehr über eine De-Thematisierung von Geschlecht. Sie fordern uns gerade auf, einen kreativen Umgang mit unserem eigenen ‚gender’ zu finden oder zumindest, im Namen der Marktfähigkeit, von unserem Geschlecht zu abstrahieren. Der Vortrag wird deshalb argumentieren, dass Konzepte wie ‚gender’ und ‚queer’ ihrerseits als Symptome spätkapitalistischer Subjektivierungsweisen zu betrachten sind.

Tove Soiland