Zum Thema Barrieren und Hürden auf dem Camp

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Wir hätten gern, dass an unserem Camp alle teilnehmen können, die an den Inhalten interessiert sind. Wir wissen aber auch, dass dem nicht so ist. Orte sind nicht nur physisch, sondern auch sozial strukturiert. Es gibt verschiedene Barrieren (strukturelle Hindernisse) und Hürden, die Partizipation verhindern. Die Beseitigung dieser Barrieren ist keine Privatangelegenheit von Einzelpersonen, sondern eine Aufgabe aller (bzw. wenn es um dieses Camp geht vor allem Angelegenheit der Vorbereitungsgruppe).
Unser Anspruch in den Vorplanungen des Camps war der, so viele Barrieren wie möglich zu beseitigen, denn Barrierearmut bedeutet für uns auch einen Abbau von Herrschaft.

Uns geht es mit diesem Text weder darum irgendetwas zu entschuldigen, weil bestimmte Barrieren immer noch vorhanden sind, noch darum, unser Camp als besonders barrierefrei zu labeln (denn das ist es nicht). Es geht darum Ideen und einen Teil des Auseinandersetzungsprozesses festzuhalten. Zum einen für uns, damit wir mehr Aspekte für zukünftige Planungen von Anfang an berücksichtigen können. Dann aber auch für andere Gruppen, die Veranstaltungen planen wollen, als Anregung bestimmte Dinge auszuprobieren, von vornherein mit zu denken und umzusetzen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Ort für das Camp war es uns wichtig, dass dieser rollstuhlgerecht ist. Auf einer Internetseite zu Gruppenunterkünften wurde uns die Burg Lohra als “rollstuhlgerecht” empfohlen. Erst sehr spät wurde in der Auseinandersetzung mit dem Verwalter des Objektes klar, dass dieses Prädikat fälschlicherweise vergeben wurde. Wir hofften dennoch mit einigen Rampen etc. genügend Veränderung schaffen zu können. Nun haben wir es endlich geschafft die Burg zu besichtigen und mussten feststellen: Rollstuhlgerechtigkeit = Fehlanzeige. Das Gelände ist teilweise uneben, einige Treppen sind viel zu steil, viele Türen zu schmal, die Toiletten zu klein, die Duschen nicht ebenerdig und ebenfalls zu schmal. Dieses Ergebnis gefällt uns nicht. Wir haben es versäumt die Örtlichkeit vor Vertragsabschluss zu besichtigen, um sie hinsichtlich möglicher Barrieren zu prüfen.

Einen weiteren Arbeitsschwerpunkt legten wir auf das Übersetzen für Menschen, die wenig oder kein Deutsch sprechen. Bei den Übersetzungen von Texten, die im Vorfeld des Camps veröffentlicht wurden (Ankündigung etc.), konnten wir auf einige hilfsbereite Menschen zurückgreifen, die sich im Zuge unseres Hilfsgesuches bei uns gemeldet haben. Danke an dieser Stelle an euch alle für die Unterstützung! So wurde es möglich gemacht, dass es bereits viele Texte in mehreren Sprachen gibt.
Noch konnte nicht alles übersetzt werden, wir sind aber weiterhin bemüht hier zumindest das Englische zu vervollständigen.
Auf dem Camp werden noch Menschen gebraucht, die eine sogenannte Flüsterübersetzung übernehmen würden. Wir hoffen, dass durch diese alle Menschen, die zum Camp kommen, eine Übersetzung erhalten können.Falls ihr so eine Übersetzung anbieten könnt und wollt, freuen wir uns, wenn ihr euch bei uns meldet.

Für Menschen, die wenig oder nicht hören, werden zwei Dolmetscher_innen für Deutsche Gebärdensprache zum Camp kommen. Sie werden gemeinsam Workshops, Vorträge und Plena dolmetschen können. Außerdem werden alle Telefonnummern, die wir im Vorfeld des Camps veröffentlichen auch per SMS erreichbar sein. Falls es weitere interessierte Dolmetscher_innen gibt, wären wir sehr erfreut, wenn sie sich bei uns melden würden.

Ein weiteres Feld der Auseinandersetzung war das Thema “Leichte Sprache”. Es zeigte sich schnell, wie “kompliziert” Leichte Sprache sein kann, insbesondere, wenn es darum geht sehr komplexe Themen umzuformulieren. An dieser Stelle waren wir überfordert und nahmen deshalb von diesem umfassenden Anspruch Abstand.

Es gibt immer wieder Diskussionen, die sich um Akademisierung von feministischen Kreisen drehen. Wir sind der Meinung, dass es wichtig ist, Themen differenziert zu analysieren und zu diskutieren. Genauso wichtig ist es aber auch Inhalte möglichst verständlich (!) für möglichst viele zu thematisieren.
Um dies umzusetzen bieten wir zu bestimmten Themen Einführungsveranstaltungen an. Zusätzlich gibt es ein Glossar, in dem wir versucht haben einige Begriffe, die häufig in Diskussionen vorkommen, zu erklären.

Eine weitere Hürde auf Veranstaltungen kann eine fehlende Kinderbetreuung darstellen. Für uns ist es insbesondere im Kontext eines feministischen Camps wichtig, dass Verantwortlichkeiten in der Kinderbetreuung keine Selbstverständlichkeit (“Frauensache”, Kleinfamilie) sind.
Mindestens eine Person wird sich durchgängig für die Betreuung von Kindern verantwortlich fühlen, jedoch wäre es schön, wenn sich auch noch andere Menschen dafür auf dem Camp fänden.

Wir wissen, dass wir als Veranstalter_innen Barrieren und Hürden unbeabsichtigt mitproduzieren und wir womöglich nicht einmal ansatzweise alles mitgedacht und leider auch nicht umgesetzt haben. Einiges ist aus finanziellen Gründen gescheitert, aber vor allem haben wir gemerkt, dass viel an der Prioritätensetzung liegt und daran wieviel Zeit und Energie man als Gruppe aufwenden kann und möchte.
Wir wissen, dass in dem Sinne nicht alles optimal verlaufen ist, hoffen aber dass zumindest die Vorhaben auf dem Camp gut umgesetzt werden können. Wir freuen uns hinsichtlich dessen auf Anregungen, Kritik und weitere Unterstützung.