Feedback und Gedanken zum e*camp

Liebe e*Camper_innen.

Das Camp war nicht nur reich an Vorträgen und Workshops, verhasster oder vergötterter Musik und Sonnenschein, sondern auch an kontroversen Diskussionen.

Viele spannende Auseinandersetzungen fanden außerhalb der vielbesuchten Veranstaltungen statt, nämlich danach, dazwischen und davor in sich (spontan) bildenden Debattierballungen.

Viele der gemachten Erfahrungen lassen sich womöglich nur begrenzt in Worte fassen oder überhaupt ins Bewusstsein rufen. Doch wir sind begierig, daran teilzuhaben, was euch bewegt hat, was bei euch haften geblieben ist. Gibt es vielleicht etwas, das ihr uns schreiben wollt (zur Veröffentlichung oder auch nicht)?
Es geht jedoch nicht allein um Erfahrungen, sondern auch um die daraus resultierenden Erkenntnisse in Bezug auf das Schwerpunktthema und die Fragestellungen im vorhinein. Es würde uns freuen, wenn das Camp weiterführende Diskussionen dahingehend angestoßen hätte und noch anstoßen könnte.

Wir werden demnächst viele der Vortragsmitschnitte veröffentlichen.
Dann könnt ihr nochmal die einzelnen Vorträge nachhören, um dann ggf. aufzuschreiben, was euch an den Aussagen der vortragenden XYZ besonders aufgeregt oder inspiriert hat. wo sind die Knackpunkte, wo liegen die Hauptstreitpunkte oder unvereinbarkeiten feministischer Theorie(n) heute?
Was geht vielleicht zusammen – und wie? Wie definitiv nicht?
Gibt es eine Art Fazit, das du aus den Veranstaltungen und Drumherum-Diskussionen gezogen hast?

Welche Gedanken kamen euch?
“Bisher hab ich immer gedacht, xyz wäre abcd, aber jetzt…”
“Ich muss unbedingt mal XYZ lesen.”
“Ich muss unbedingt aufhören XYZ zu lesen.”
“Ist das hier ne Agitationsveranstaltung?”
“Ich muss mich konform Verhalten, sonst passiert was Schlimmes”
“Krass, das hab ich mich noch nie gefragt…”
“Mit so ’ner Position ist das nicht mehr mein_e Freund_in.”
“Hääh???”

Wir haben schon auf dem Camp Feedback bekommen, mit dem wir uns auseinandersetzen werden. aber vielleicht gibt es noch mehr, das gesagt werden will.
Uns interessiert einfach ALLES.

Schreibt uns an e_vibes@riseup.net mit einem Vermerk, ob wir es veröffentlichen können oder sollen oder nicht.
Oder veröffentlicht selbst auf der Facebookveranstaltungsseite, sofern ihr euch da rumtreibt.
Oder als kommentar zu diesem Posting auf unserem e*camp-Blog, wo wir ausnahmsweise die Kommentarfunktion zugelassen haben.

Fundsachen

Es wurden verschiedenste Sachen von uns mit nach Dresden genommen.
Bitte meldet euch bei uns wenn ihr etwas wiederhaben möchtet.

* Jacken
* Pullis
* Hand- und Abtrockentücher
* FlipFlops
* Taschenmesser

Uns ist ein kleiner Fehler unterlaufen. Es wurde kein Schlüsselbund gefunden, sondern verloren. Falls du also einen Schlüsselbund gefunden hast melde dich bitte bei uns.

Infotelefon nicht erreichbar? Dann bitte per SMS versuchen

Leider hat unser Infotelefon (01573 – 167 80 37) schlechten Empfang auf der Burg. Wenn ihr uns nicht erreicht, schickt bitte stattdessen eine SMS, die sollte dann früher oder später ankommen. Falls das so nicht funktioniert, werden wir eine alternative Nummer mit besserem Netz bekanntgeben.

News

DGS Dolmetscher_innen
Leider müssen wir euch mitteilen, dass unsere Gebärdendolmetscher_innen für das kommende Wochenende abgesagt haben.
Das hatte verschiedene Gründe. Zum Einem sind zwei Personen für so viele Veranstaltungen zu wenig. Die war uns bewusst, jedoch hatten wir nicht die Kapazitäten und vor allem nicht die finanziellen Mittel um weitere Dolmetscher_innen anfragen zu können.
Zum Anderen gab es von ihrer Seite aus Kritik an unserer Vorgehensweise und wir werden versuchen diese für kommende Veranstaltungen zu berücksichtigen. Es ist wichtig, dass von Anfang an Dolmetscher_innen an der Konzeptionalisierung mitwirken können. So müssen Details nicht rückwirkend mit Referent_innen abgesprochen werden und eine Vorbereitung der Dolmetscher_innen auf die Themen kann frühzeitiger stattfinden.

Vorträge/Workshops
Ann Wiesental
Ann Wiesenthal kann leider kurzfristig doch nicht kommen – aber die angekündigte „Einführung in das Kapital von Marx“ wird trotzdem stattfinden: Susann übernimmt dankenswerterweise.

Eva von Redecker
Der Vortrag von Eva von Redecker „Einführung in die Queer Theorie“ wird nicht wie geplant am Freitag, sondern am Sonntag um 14h stattfinden.

Sookee
Sookee kommt nun doch nicht zum Camp. Um möglichen Nachfragen vorzugreifen:
Ja, wir haben sie auf ihren umstrittenen Auftritt beim Workers Youth Festival angesprochen. Ihre Antwort ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Sie hat ihre Campteilnahme u.a. aus persönlichen Gründen abgesagt.

Wissensbarrieren

Wir veranstalten das Camp, um uns selber näher mit den Themen auseinanderzusetzen, die uns beschäftigen. Wir wollen uns gemeinsam mit euch an ein Verständnis der Zusammenhänge von Kapitalismus und Geschlecht herantasten.

Das Camp beinhaltet einführende und vertiefende Veranstaltungen. Jedoch ist die Beschreibung „einführend“ natürlich relativ zum jeweiligen Vorwissen. Wir haben Bedenken, dass Menschen angesichts des doch sehr wissenschaftlich geprägten Lineups dem Camp fernbleiben, weil mensch denken könnte: Keine Chance, nur Checker_innen willkommen.
Wir werden auch nicht alles verstehen, was referiert wird. Wir haben nur eben den Anspruch bzw. Wunsch, mehr verstehen zu lernen. Wir hoffen, dass sich das Camp wenig um das kurzfristige und unbefriedigende Gefühl, schlauer zu sein als andere, drehen wird.

Wie kann mensch ohne die Angst vor Unwissenheit dazulernen? Wir haben uns dazu viele Gedanken gemacht, woraus u.a. die folgende Idee hervorging: Es werden Karten mit der Aufschrift „Hääh?“ ausliegen, die jede_r selbständig nutzen kann. Wenn in Vorträgen oder größeren Diskussionen Inhalte unklar sind, dann ist es möglich, sie hochzuhalten, um der_dem Vortragenden oder Mitdiskutierenden visuell zu verdeutlichen, dass etwas unklar ist (Passagen oder Wörter) – ohne sich dabei allzu „klein“ machen zu müssen. Das heißt nicht automatisch, dass dann sofort erklärt werden muss, denn das kann unter Umständen tatsächlich auch Diskussionen zerstören – aber manchmal wiederum erst ermöglichen. Wir hoffen einfach auf einen sensiblen Umgang damit, bei allen Beteiligten. Mal den eigenen eingefahrenen Diskussionsstil hinterfragen fügt sicher so mancher Checker_in keinen ernsthaften Schaden zu.

Eine andere konkrete Idee für das Camp ist eine interaktive Pinnwand, an der Leute sich gegenseitig Worte oder Sachverhalte erklären bzw. Verständnisfragen stellen können – was somit auch anonym möglich wird.

Zum Thema Barrieren und Hürden auf dem Camp

English

Wir hätten gern, dass an unserem Camp alle teilnehmen können, die an den Inhalten interessiert sind. Wir wissen aber auch, dass dem nicht so ist. Orte sind nicht nur physisch, sondern auch sozial strukturiert. Es gibt verschiedene Barrieren (strukturelle Hindernisse) und Hürden, die Partizipation verhindern. Die Beseitigung dieser Barrieren ist keine Privatangelegenheit von Einzelpersonen, sondern eine Aufgabe aller (bzw. wenn es um dieses Camp geht vor allem Angelegenheit der Vorbereitungsgruppe).
Unser Anspruch in den Vorplanungen des Camps war der, so viele Barrieren wie möglich zu beseitigen, denn Barrierearmut bedeutet für uns auch einen Abbau von Herrschaft.

Uns geht es mit diesem Text weder darum irgendetwas zu entschuldigen, weil bestimmte Barrieren immer noch vorhanden sind, noch darum, unser Camp als besonders barrierefrei zu labeln (denn das ist es nicht). Es geht darum Ideen und einen Teil des Auseinandersetzungsprozesses festzuhalten. Zum einen für uns, damit wir mehr Aspekte für zukünftige Planungen von Anfang an berücksichtigen können. Dann aber auch für andere Gruppen, die Veranstaltungen planen wollen, als Anregung bestimmte Dinge auszuprobieren, von vornherein mit zu denken und umzusetzen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Ort für das Camp war es uns wichtig, dass dieser rollstuhlgerecht ist. Auf einer Internetseite zu Gruppenunterkünften wurde uns die Burg Lohra als “rollstuhlgerecht” empfohlen. Erst sehr spät wurde in der Auseinandersetzung mit dem Verwalter des Objektes klar, dass dieses Prädikat fälschlicherweise vergeben wurde. Wir hofften dennoch mit einigen Rampen etc. genügend Veränderung schaffen zu können. Nun haben wir es endlich geschafft die Burg zu besichtigen und mussten feststellen: Rollstuhlgerechtigkeit = Fehlanzeige. Das Gelände ist teilweise uneben, einige Treppen sind viel zu steil, viele Türen zu schmal, die Toiletten zu klein, die Duschen nicht ebenerdig und ebenfalls zu schmal. Dieses Ergebnis gefällt uns nicht. Wir haben es versäumt die Örtlichkeit vor Vertragsabschluss zu besichtigen, um sie hinsichtlich möglicher Barrieren zu prüfen.

Einen weiteren Arbeitsschwerpunkt legten wir auf das Übersetzen für Menschen, die wenig oder kein Deutsch sprechen. Bei den Übersetzungen von Texten, die im Vorfeld des Camps veröffentlicht wurden (Ankündigung etc.), konnten wir auf einige hilfsbereite Menschen zurückgreifen, die sich im Zuge unseres Hilfsgesuches bei uns gemeldet haben. Danke an dieser Stelle an euch alle für die Unterstützung! So wurde es möglich gemacht, dass es bereits viele Texte in mehreren Sprachen gibt.
Noch konnte nicht alles übersetzt werden, wir sind aber weiterhin bemüht hier zumindest das Englische zu vervollständigen.
Auf dem Camp werden noch Menschen gebraucht, die eine sogenannte Flüsterübersetzung übernehmen würden. Wir hoffen, dass durch diese alle Menschen, die zum Camp kommen, eine Übersetzung erhalten können.Falls ihr so eine Übersetzung anbieten könnt und wollt, freuen wir uns, wenn ihr euch bei uns meldet.

Für Menschen, die wenig oder nicht hören, werden zwei Dolmetscher_innen für Deutsche Gebärdensprache zum Camp kommen. Sie werden gemeinsam Workshops, Vorträge und Plena dolmetschen können. Außerdem werden alle Telefonnummern, die wir im Vorfeld des Camps veröffentlichen auch per SMS erreichbar sein. Falls es weitere interessierte Dolmetscher_innen gibt, wären wir sehr erfreut, wenn sie sich bei uns melden würden.

Ein weiteres Feld der Auseinandersetzung war das Thema “Leichte Sprache”. Es zeigte sich schnell, wie “kompliziert” Leichte Sprache sein kann, insbesondere, wenn es darum geht sehr komplexe Themen umzuformulieren. An dieser Stelle waren wir überfordert und nahmen deshalb von diesem umfassenden Anspruch Abstand.

Es gibt immer wieder Diskussionen, die sich um Akademisierung von feministischen Kreisen drehen. Wir sind der Meinung, dass es wichtig ist, Themen differenziert zu analysieren und zu diskutieren. Genauso wichtig ist es aber auch Inhalte möglichst verständlich (!) für möglichst viele zu thematisieren.
Um dies umzusetzen bieten wir zu bestimmten Themen Einführungsveranstaltungen an. Zusätzlich gibt es ein Glossar, in dem wir versucht haben einige Begriffe, die häufig in Diskussionen vorkommen, zu erklären.

Eine weitere Hürde auf Veranstaltungen kann eine fehlende Kinderbetreuung darstellen. Für uns ist es insbesondere im Kontext eines feministischen Camps wichtig, dass Verantwortlichkeiten in der Kinderbetreuung keine Selbstverständlichkeit (“Frauensache”, Kleinfamilie) sind.
Mindestens eine Person wird sich durchgängig für die Betreuung von Kindern verantwortlich fühlen, jedoch wäre es schön, wenn sich auch noch andere Menschen dafür auf dem Camp fänden.

Wir wissen, dass wir als Veranstalter_innen Barrieren und Hürden unbeabsichtigt mitproduzieren und wir womöglich nicht einmal ansatzweise alles mitgedacht und leider auch nicht umgesetzt haben. Einiges ist aus finanziellen Gründen gescheitert, aber vor allem haben wir gemerkt, dass viel an der Prioritätensetzung liegt und daran wieviel Zeit und Energie man als Gruppe aufwenden kann und möchte.
Wir wissen, dass in dem Sinne nicht alles optimal verlaufen ist, hoffen aber dass zumindest die Vorhaben auf dem Camp gut umgesetzt werden können. Wir freuen uns hinsichtlich dessen auf Anregungen, Kritik und weitere Unterstützung.



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